Jul 042008
 

Vepsa auf der letzten Fahrt

„Da fährt sie hin“ ist ein bißchen falsch ausgedrückt – da fahre ich hin mit ihr. Das war der Beginn der letzten Fahrt auf dem Roller, meiner „Dicken“, die mich über 28 Jahre meines Lebens begleitet hat.

1980 kaufte mein Vater eine orange-rote Vespa PX125 und klein Kathinka ist stolz wie Oskar hinten drauf mitgefahren.

Einige Jahre später wurde ich 18 Jahre alt und dachte über den Erwerb eines Führerscheines nach. Mein Vater sagte aber sofort „Unseren schönen, neuen Volvo? Den kriegst du nicht. Da steht die alte Vespa, mach den Motorradführerschein.“. Hm, warum nicht, also habe ich einfach beide Führerscheine gemacht und bin am Ende der Schulzeit und das ganze Studium durch mit der Dicken munter durch Kiel gefahren. In der Zeit bekam sie auch ein paar Kratzer und Dellen und im Anschluss diese kreative Lackierung. Mein Vater hat es gelassen ertragen, ich bewundere ihn bis heute dafür. In der Zeit stand die Dicke oft länger bei mir als bei ihm.

Danach trennten sich unsere Weg, ich zog nach Frankfurt und die Dicke blieb in Kiel. Erst 1999 fragte mein Vater mich, ob ich sie übernehmen wolle, er wollte sich eine Neue kaufen. Klar wollte ich das, und so organisierten wir einen LKW-Transport, denn 600km wollte ich mit ihr nicht selber fahren.

Ich werde nie vergessen, wie sie eines morgens bei uns abgeladen wurde, auf einer Palette festgeschnallt.

Von da an vervollständigte die Dicke also unseren Fuhrpark, bestehend aus zwei Motorrädern und manchmal auch noch einem Auto. Bei der Ummeldung nach Frankfurt stellte ich sogar fest, dass in den Papieren eine Maximalbreite für das Kennzeichen eingetragen war und sie all die Jahre ein zu breites Kennzeichen getragen hat. Der Traum eines jeden Motorradbesitzers, das Recht auf ein schmales Kennzeichen, ist also bei einer alten Vespa, wo es wirklich völlig unwichtig ist, realisiert. Welch ein Hohn.

Nun, weitere neun Jahre später, habe ich mich entschieden, mich von der alten Vespa zu trennen, was mir wirklich nicht leicht fällt. Aber sie steht bei uns die meiste Zeit nur rum. Sie ist zwar extrem stadttauglich, aber für die Autobahn leider überhaupt nicht geeignet. Und wenn ich die Dicke fahre, dann hauptsächlich zur Arbeit und damit Autobahn.

Zum Glück hat sich aber ein lieber Kollege gefunden, der die Dicke übernehmen will. Seine Tochter macht gerade den Motorradführerschein und wird sie dann hauptsächlich fahren. Da erkenne ich mich selber drin wieder, ich hoffe, sie wird genauso gerne mit ihr fahren wird ich. Und so werde ich die Dicke nicht ganz aus den Augen verlieren, was mich sehr freut.

Meine Dicke, ich wünsche dir allzeit gute Fahrt noch viele Jahre. 🙂

  3 Responses to “Tschü-hüß, mach’s gut”

  1. Du hattest einen R*ller? Und hast uns all die Jahre hinter das Licht geführt? *lol*
    Was für eine süße Geschichte.

    Gruß,

    Peter und Eva

  2. Snieefff…
    Die schöne Vespa, jetzt ist sie weg. Dabei hat sie sogar mich ausgehalten, echt schade.
    Ich hoffe, die neue Besitzerin weiss, was sie da hat.

    Grüße

    Hartmut

  3. Stimmt, das ist auch eine der Geschichten, die ich mit dem Roller erlebt habe. Anfang der 90er, Studentenwohnheim Kiel, Hartmut und ich sitzen zusammen gegen 22 Uhr in der Küche. Ekki ist in Lübeck bei seinen Eltern, weil er dort am nächsten Tag ins Krankenhaus sollte.

    Einer von uns, ich weiß nicht mehr wer, kam auf die Idee, dass wir Ekki eigentlich noch besuchen könnten. Warum auch immer wir Hartmuts Auto nicht nehmen konnten, auf jeden Fall sind wir auf den Roller gestiegen und nach Lübeck gefahren, wo wir gegen 23 Uhr auch ankamen. Ekki staunte Bauklötze, als wir bei ihm ins Zimmer kamen.

    Eine Stunde später sind wir dann wieder nach Hause gefahren.

    Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich über die B404 fuhr und mir überlegt, dass ich echt gar nix mache. Ein paar Kurven später hatte ich den Verdacht, dass ich *wirklich* nix mache. Also bin ich in der nächsten Kurve bewußt geradeaus weiter gefahren, der Roller fuhr aber brav um die Kurve.

    Ich drehte mich zu Hartmut um. „Hartmut, du schaust auf die Straße, gell?“ „Ja, mache ich.“ „Ist ja ok, aber könntest du das Lenken trotzdem mir überlassen?“

    Die Vorstellung, dass Hartmut und ich in unterschiedliche Richtungen wollten, war nicht so amüsant für mich, denn ich hätte auf jeden Fall verloren. 😉

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